Wie schon erwähnt, war der Blogger als Kind ein unerträglicher Klugscheißer. Dies lag natürlich nicht an ihm selber. Die anderen, vor allem seine Geschwister, waren einfach blöder. So lief er also immer im Schatten, denn Sonne vertrug er nicht, so schnell wie möglich nach der Schule heim, denn er war ein Stubenhocker. Dort saß er dann und verschlang jeglichen Lesestoff, mittels seines hässlichen Kassengestells, dessen er habhaft werden konnte. Das war nicht viel, denn in der Familie, in der er aufwuchs, war das Lesen verpönt. Es gab noch nicht mal eine Fernsehzeitung. Die einzige Zeitschrift, die regelmäßig den Haushalt erreichte war die „Neue Revue“ (wahrscheinlich der einzige Erfolg der Drückerkolonne, die damals über unser Dorf herfiel). Das war natürlich genau das Richtige für einen Buben der knapp vor der Pubertät stand und der sich immer länger auf dem Klo einschließen musste und sich wunderte, dass sich darüber niemand wunderte. Ansonsten gab es nur ab und an ein neues „Hanni und Nanni“ Buch und die Pixi-Bücher hatte er auch schon zigfach gelesen. In den Ferien, die er zumeist bei den Großeltern in der Lüneburger Heide verbrachte, verbesserte sich die Lage ein wenig. Die Oma war fleißige Leserin des „Goldenen Blattes“ und der Opa gondelte jeden Tag mit seinem Enkel ins Nachbardorf um Einkäufe zu machen. Der kleine Bub blieb meist im Auto sitzen und verschlang alles was in der „BILD-Zeitung“ stand. Ob es nun die neue Serie über den BP-Supermann Kevin Keegan war oder die gruseligen Geschichten über den Weißen Hai. Erst viele Jahre später begann er dieses Blatt zu hassen…….
Am Abend wurde dann alles über die Königshäuser und die Prominenten gelernt. Eine schon fast erwachsene (in seinen Augen) Kusine, ließ ihm mal eine große Kiste mit Büchern neben dem Bett stehen. Abends, versunken in den riesigen Federbetten der Oma, beugte er sich über die Bettkante und durchwühlte die Kiste. Ihm fiel ein Buch mit dem Titel „Die Frau in grün“ in die Hände. Er hatte schon mal einen Jerry Cotton gelesen und konnte von der äußeren Aufmachung ableiten, dass es sich wohl um einen Krimi handelte. Die Hauptperson war eine Agentin, die sich hauptsächlich grün und vor allem sexy kleidete. Sie kämpfte mit besonderen Waffen. Denen der Frauen. Mit glühenden Wangen verschlang der kleine bildungshungrige dieses Buch und legte es immer so in die Kiste, dass die Oma denken sollte, ihn würden die anderen Bücher mehr interessieren. Die Ferien gingen vorbei und der kleine Bildungsurlauber war geistig präpariert für das Gymnasium und die Persönlichkeit war derart geformt, dass der Bartwuchs sofort hätte beginnen können.
Zurück aus den Ferien gab es etwas zum Geburtstag, von dem er nicht zu träumen gewagt hätte. Er bekam das Buch „Borussia Mönchengladbach – Ein Fußballklub stürmt an die Spitze“ von Hans-Günter Martin. Glücklich verschwand er in seinem Zimmer und verschlang es von vorne bis hinten. Von der Vereinsgründung bis zu den jüngsten Erfolgen und dem Sieg im UEFA-Pokal. Und er las auch über die düsteren Prognosen, die dem kleinen Verein vom Niederrhein gestellt wurden. Aber dies wollte er nicht wahrhaben und behielt alles was er über seinen Lieblingsverein las in seinem Herzen und in seinem Kopf. Von diesem Wissen aus dem Buch profitiert er noch heute, denn es war nicht so vergänglich, wie alles Andere, was er bis dahin las. Noch heute verschlingt er alles über seine Borussia auch wenn er es nicht mehr so einfach hat, alles in seinem Kopf zu behalten.
Eigentlich ein netter Wink des Schicksals, dass die Frau, die ihn im Bette der Oma die erste Erregung spüren ließ, Grün trug. Auch wenn damals das Grüne erst langsam in die Vereinsfarben aufgenommen wurde. Und wenn er heute bemerkt, dass seine eigenen kleinen Borussen zu lange unter der Dusche stehen, so regt sich kein Verdacht in ihm. In seinem Haushalt existieren nämlich keine schmuddeligen Illustrierten und auch keine Groschenromane über weibliche Agentinnen. Da müssten die Jungs schon ihre Notebooks mit aufs Klo nehmen um………..Aberdeen, heute kamen die Karten für Aberdeen. Wird Zeit, dass die Saison beginnt.
