Am Freitag vor diesem Großereignis reiste schon mal die Verwandtschaft aus Norddeutschland an. Doch der kleine Korinthenkacker hatte ganz andere Sorgen. Am Samstag dem 29.04.1978 sollte der letzte Spieltag der Bundesliga stattfinden und die Tabellensituation stellte sich folgendermaßen dar:
1. | (1.) | 33 | 21 | 4 | 8 | 81:41 | +40 | 46:20 | ||
2. | (2.) | 33 | 19 | 8 | 6 | 74:44 | +30 | 46:20 |
Die Fortuna aus Düsseldorf lag mit 39 Punkten abgeschlagen auf dem dritten Platz. Köln hatte bei St. Pauli zu spielen. St. Pauli stand als Absteiger fest. Gladbach musste im Rheinstadion gegen die graue Maus Dortmund spielen. Eigentlich sollte da für die Kölner nichts mehr anbrennen. Es sei denn, die Borussia schießt die Dortmunder mit einem Rekordsieg ab. An so was glauben eigentlich nur dubiose Wettpaten oder Kinder halt. Der kleine Optimist hat daran geglaubt und war ganz versessen darauf, das Spiel zu sehen. Doch was sollte er tun? Sollte er zu seinen Eltern gehen und verkünden: „Ich fahre morgen nach Düsseldorf und schaue mir den Rekordsieg der Borussia an. Ihr könnt euch derweil mit der buckligen Verwandtschaft vergnügen, die wegen mir hier angereist ist.“ Wäre ja auch komplett gelogen gewesen, denn der Verwandtschaft wollte er keinesfalls vor den Kopf stoßen, weil sie ja auch mit dem festen Willen angereist ist, großzügige Sach- und Geldspenden darzubringen.
Von unruhigen Träumen mit weißgekleideten Fußballspielern, die „Erdgas“ auf der Brust stehen haben und ein Tor nach dem anderen schießen und danach einen großen silbernen Teller in den Himmel recken geplagt, ging der kleine Träumer am frühen Morgen des 29.04.1978 sich den Schlaf aus den Augen reibend in die elterliche Küche und erblickte dort Mama, Papa, Brüder, Schwester, Onkel, Tante, Kuseng und Kusine beim Frühstück. Irgendwie roch es nach Zoobesuch oder Kaninchenzüchterausstellung in der Gaststätte Krummen. Die Borussia stand vor einem historischen Sieg und der kleine Konfirmand sah sich schon mit einer Packung Pitjes in der Hand und in kurzen Hosen an stinkenden Karnickelställen vorbeidefilieren.
Von meinem Onkel bekam ich tags darauf eine Timex Digitaluhr zur Konfirmation geschenkt. Mein Kuseng hielt mir bis dahin immer seine Digitaluhr vor, bei der man extra noch einen Knopf drücken musste, um die rote Digitalanzeige zu sehen. Der konnte also auch einpacken.So hatte der kleine Borusse Ende April 1978 ein super Wochenende und sorgt heute, als großer Borusse, allein mit der Bemerkung dabei gewesen zu sein, für offene Münder bei seinen eigenen kleinen Borussen.
