Sonntag, 17. Juli 2011

Porto und die Schnapsidee

In der letzten Woche nutzten wir das Testspiel unserer Borussia, um aus Oberhausen zu flüchten. An diesem Wochenende spielte unsere Borussia direkt in Oberhausen im Niederrheinstadion. Wahrscheinlich konnte man im Borussia-Park das ganze FIFA–Geratze nicht schnell genug entfernen, so dass nach Oberhausen ausgewichen wurde.  Es ging nicht gegen Rot-Weiß Oberhausen, sondern gegen den FC Porto. Die bereiten sich derzeit in Westfalen auf ihre Saison vor, sind amtierender Meister und Europaleague-Sieger oder wie auch immer man diesen Wettbewerb nun nennt. Früher hieß das UEFA-Cup und den hat die Borussia zweimal gewonnen, als der Wettbewerb noch im KO-System (Hin- und Rückspiel) ausgetragen wurde und nicht mit diesen unsäglichen Gruppenphasen, bei denen man genauso schwer ausscheiden kann, wie man gegen seine kleine Schwester im Tischtennis verliert.

Es entfiel also die komplette Reiseplanung. Es musste nicht nach Zugverbindungen geschaut werden, es brauchte keine Reiselektüre eingepackt zu werden, eine Wegzehrung war auch nicht nötig.  Man konnte einfach so von der Couch aufhüpfen und mit einem „Naja, dann lasst uns mal losfahren.“ das Signal zum Aufbruch geben. Meine beiden fußballbegeisterten  Söhne (der dritte hat andere Hobbys) fuhren wieder mit.  Als wir unsere Fahrräder aus dem Keller holten, fing es gerade an ein wenig zu tröpfeln. Naja, ein warmer Sommerregen, der tut nicht weh. Mir erschien es immer noch besser, ein wenig durch das bisschen Regen zu fahren, als mit dem Linienbus und dann auf der Heimfahrt mit Hunderten dort zu stehen und zu warten. So waren wir unabhängig und würden 10 Minuten nach Spielschluss daheim sein. Kein Problem also.

So radelten wir also recht entspannt am Schloss Oberhausen vorbei zum Niederrheinstadion. Auf dem Stadionvorplatz stand Herr Sommers (Präsident von RWO), schaute in den Himmel und freute sich über den stärker werdenden Regen. Denn an der Kasse für die Emscherkurve (Stehplatz unüberdacht, 10 €)  konnte man ohne Mühe sofort ein Pläuschchen  mit der freundlichen Ticketverkäuferin halten. Vor den Kassen für die Tribünenplätze (15 €) bildeten sich lange Schlangen. So bescherte das miese Wetter den beteiligten Vereinen wohl eine beträchtliche Mehreinnahme, wobei ich hoffe, dass RWO auch etwas davon abbekommen hat.  Die 3700 Zuschauer die gekommen sind, hätten sich bei besserem Wetter locker auf Emscher- und Kanalkurve verteilen können. 

Wir kauften uns Tickets für die Emscherkurve, wohl wissend, dass das Tribünendach ein wenig über die Emscherkurve ragt, so dass man dort auch trocken stehen kann. War dann zwar etwas enger, aber immer noch angenehm. Auf den Tribünen tummelten sich viele Portoanhänger und bei den Borussen entdeckte man die allgegenwärtigen Allesfahrer. Dazwischen viele Deutsch-Portugiesische Familien.

Das Spiel begann und der FC Porto zeigte in der Anfangsphase einige vielversprechende Spielzüge im Angriff. Der Spieler Hulk musste dann nach einem Foulspiel im Mittelfeld und anschließender Meckerei vom Platz. Das machte den Testspielcharakter natürlich zunichte, denn in der Folgezeit waren die Angriffsbemühungen der Portugiesen arg gedrosselt und die Borussia kam auch nicht so recht vor das gegnerische Tor. Die wenigen Chancen der Portugiesen parierte Marc-André ter Stegen souverän. Der Regen wurde stärker und das Spiel schwächer. In der zweiten Halbzeit, in der dann auch die testspielüblichen Massenauswechslungen stattfanden, konnte die Borussia das Spiel ein wenig ausgeglichener gestalten, den einen oder anderen schönen Spielzug nach vorne zeigen aber unser Torwart musste uns trotzdem immer wieder vor dem Gegentor retten. Die hinter uns stehenden Portugiesen quittierten seine Leistung mit den Worten: „Wenn die absteigen, dann ist der weg.“ So isses wohl aber die Saison soll doch erstmal anfangen, bevor man wieder vom Abstieg spricht.

Während der zweiten Halbzeit ging mein Blick immer wieder auf die Pfützen, die sich auf der Laufbahn gebildet haben und ins Gegenlicht der Flutlichtmasten um festzustellen, dass der Regen unaufhörlich stärker wurde. So durften wir uns auf einen schönen Heimweg freuen, denn man konnte den Regen schon als „strömend“ bezeichnen. Der Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne (der hätte eigentlich auch mit dem Rad kommen können) pfiff das Spiel ab und beließ es beim 0:0. Er zeigte eine bundesligareife Leistung, die in ihrer Regelstrenge aber einem Testspiel nicht angemessen war. Es wäre sicherlich ein ansehnlicheres Spiel geworden, wenn dieses ohne rote Karte ausgekommen wäre.

Wir flitzten zu unseren Fahrrädern und obwohl wir die veranschlagten 10 Minuten Heimweg weit unterschritten, wurden wir nass bis auf die Knochen. So musste ich vor meinen Söhnen zerknirscht zugeben, dass es wohl eine Schnapsidee gewesen ist, mit dem Rad zum Stadion zu fahren.
 Ich mach es  wieder gut Jungs, ich werde mir heute Mittag beim Zubereiten des Rinderbratens besondere Mühe geben.