Montag, 29. August 2011

Pro 15:30

In den 80er Jahren fuhr man mit einem gewissen Magengrummeln als Gast auf Schalke. Auf Schalke gab es eigentlich immer Ärger. Das „Potenzial“ an rauflustigen Gesellen war recht hoch. Diese Freunde der 3. Halbzeit besuchen heute Elternabende und machen selbst bei den dümmlichsten Bemerkungen der Pädagogen eine Faust in der Tasche. Während sich heute die Ultra Gruppierungen von Schalke und Mönchengladbach respektvoll voreinander verneigen, benimmt sich der Ordnungsdienst auf Schalke gegenüber den Gästefans gerne mal provozierend. Aber auch das schafft man meistens mit einem Lächeln abzutun. Das ist nicht einfach, denn man sollte sich schon vor dem Betreten des Stadions einen gewissen Pegel antrinken. Ansonsten ist man gezwungen eine Knappenkarte zu erwerben, denn ohne diese bekommt man kein Getränk. Auf dieser Karte bleiben immer ein paar Cent als Restbetrag drauf. Den könnte man sich beim Verlassen des Stadions auszahlen lassen. Da wir aber bislang meistens Grund genug hatten die Stätte unserer Schmach schnellstmöglich zu verlassen, haben sich die Schalker bislang lachend die Restbeträge einstreichen können. Also ist Vorglühen angesagt.

Reist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln an, sollte man am Bahnhof Gelsenkirchen seinen Schal unter die Jacke stecken. Macht man dies nicht, wird man von freundlichen Transportpolizisten als auswärtiger Fußballfan ausgemacht und ins Türkenviertel hinter den Bahnhof gebeten, wo schon ein Haufen von gammligen, alten Bussen steht um die „Gäste“ dann durch die Favelas von Gelsenkirchen mit Eskorte und Blaulicht zur Turnhalle zu kutschieren. Hat man das Spiel dann hinter sich gebracht muss man dann hinterm Stadion noch mal elendig lange in den Schrottbussen, die selbst in Springfield nicht mehr als Schulbusse genutzt würden,  ausharren, bis man zum Bahnhof gekarrt wird und sich endlich beim Türken ein kühles Bier kaufen kann.

Obwohl ich eine Zuganreise von nur circa 15 Minuten gehabt hätte, sparte ich mir aus o. g. Gründen die Anreise zum Bundesligaspiel unserer Borussia nach Gelsenkirchen. Keinen Bock auf dieses Ganze Schalke. Da gehe ich doch lieber in eine Sky-Kneipe und unterstütze die örtliche Gastronomie.  Aber ehrlich: hätte irgendjemand kurz vor knapp noch ne Karte für mich gehabt, dann wär ich wohl hingefahren…..
Eine saubere Offerte

Folgende Fragen stellten sich mir vor dem Spiel:  Wie bekommt der Borussia die Höhenluft? Können wir endlich mal in der Schalke-Arena gewinnen? Hat Schalke einen Lauf oder war Helsinki kein echter Gradmesser? Waren wir wirklich so gut gegen Wolfsburg oder war Wolfsburg einfach nur schlecht. Fragen die ein spannendes Spiel hindeuteten. Wie viele Schalker sind in der Kneipe? Die letzte Frage war schnell beantwortet. Beim Betreten der Kneipe stellte sich heraus, dass die sonst rudelweise auftretenden Schalker wohl plötzlich alle Sky abonniert haben. Die meisten Anwesenden konnte ich als Gladbachsympathisanten ausmachen. Es herrschte also eine friedliche Atmosphäre bei Pils, Alt und Erdnüssen. Ich habe aber an diesem Sonntagabend zur Lindenstraßenzeit den Fehler gemacht, dass ich das Bier getrunken habe, als hätte ich am nächsten Tag frei. So konnte ich mir zwar noch das Urteil bilden, dass der Sieg der Schalker zwar in Ordnung ging und wir trotzdem gut gespielt haben aber vom Tatort, der kurz nach meiner Heimkehr begann, habe ich nicht mehr allzu viel mitbekommen. Sonntagabendspiele sind halt doof. Pro 15:30 (http://www.pro1530.de/).