Montag, 31. Oktober 2011

Der Meckersack aus Block 14

Heimspiel gegen Hannover und ich war diesmal alleine unterwegs. Es sind mal wieder Schulferien und die „Kinder“ sind fortgefahren. So musste ich mich alleine auf den Weg machen. Als Reiselektüre habe ich mir tags zuvor das Buch „Früher waren mehr Tore – Hinterhältige Fußballgeschichten“ in der Wühlkiste von Grauert im Hauptbahnhof Düsseldorf  zugelegt. Dort erzählen Autoren Fußballgeschichten, von denen man solches nicht unbedingt erwartet. Von Hornby schon. Aber Dürrenmatt, Torberg, Ringelnatz, Nabakov und einige weitere bekannte und auch mir völlig unbekannte Autoren sind nicht unbedingt bekannt für ihre Fußballgeschichten. Jedenfalls ist das Ganze recht kurzweilig und in sehr bekömmliche Häppchen, genau das Richtige für solch eine Fahrt, aufgeteilt. Im Regionalexpress saß ich in einer Vierersitzgruppe. Links von mir am Fenster ein gelangweilter Jugendlicher, ca. 17 Jahre, gelangweilt dreinschauend, mit Kopfhörern und Kaugummi kauend. Kauen alleine wäre noch egal gewesen aber der Kerl hat ganz fies geschmatzt. Mir gegenüber saß offensichtlich der jüngere Bruder des Schmatzers mit dem gleichen Habitus aber nicht schmatzend. Links davon saß, es war nicht zu verleugnen, die Mutter der Brut. Braungebrannt wie ein Fensterleder. Und genau so knittrig, wenn man ein solches nach Gebrauch zusammenknüllt, in die Ecke pfeffert und trocknen lässt. Diese Frau und ihre zwei verzogenen Bälger kamen offensichtlich gerade von der Kö und haben Vatis Kreditkarte zum glühen gebracht. Und nun saßen sie völlig unvermittelt zwischen Bier trinkenden und laut diskutierenden Fußballfans. Den Söhnen wars egal, hatten ja ihre Gehirnschrittmacher auf, aber die Frau Mama versuchte trotzdem mit ihnen Blickkontakt aufzunehmen und durch Mund verziehen und Augenrollen ihren Unmut über das nicht ihrem Stande entsprechende Ambiente kund zu tun. Die zwei Desinteressierten taten ihr aber nicht den Gefallen aufzumerken und zwangen die Frau zu immer offensichtlicheren Gesten und Mimiken des Missfallens. Das ging mir ziemlich auf den Senkel. Ich fühle mich dieser Gruppe von Menschen, über die sie sich nonverbal abschätzig äußerte zugehörig und daher kochte es immer mehr in mir. Kurz von Mönchengladbach platzte mir dann der Kragen und ich sagte zu ihr: “Tun sie nicht so fein. Hier macht keiner was Schlimmes und die leeren Dosen und Flaschen liegen auch nicht in der Gegend rum. Aber ihre neben mir sitzende Brut schmatzt mir schon seit Düsseldorf die Ohren voll. Wenn wir Fußballfans so wären, wie sie denken, dann hätte ich dem schon eine gerissen. Das liegt aber in ihrem Zuständigkeitsbereich und da haben sie offensichtlich komplett versagt.“ Da fühlte ich mich besser und mit prächtiger Laune bestieg ich den Bus zum Stadion.
Vor dem Spiel habe ich wie immer ein Fischbrötchen gegessen und es konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Hannover war der erwartet schwere Gegner und natürlich darf man nicht erwarten, dass man nach diesem super Saisonstart jeden Gegner abschießt.  Wenn mal ein Spielzug nicht klappt, dann flucht man und ärgert sich. Das ist doch klar. Aber in Block 14 steht ein Typ mit Olaf - Thon - Bärtchen, ein wenig fettleibig und mit (ich weiß es nicht genau, aber ich behaupte es einfach mal) Pfälzer Dialekt. Und mit diesem garstigen Dialekt und seinem unglaublich lauten Organ verunreinigte er mit hochrotem Kopf bis zur 1:0 Führung (ab dann war Stille) die Nordkurve mit seiner ständigen Nörgelei. „Das ist ja ein Rückfall in allerschlimmste Zeiten!!“ War noch eine seiner mildesten Beurteilungen der momentanen Spielkunst unserer Mannschaft. Wie gesagt: unerträglich. Aber seine Frau wird alle 14 Tage jubeln, dass der Arsch endlich aus dem Haus ist. Tja, auch das gehört zum Fußball…….  Aber schön, dass Marco Reus dem Nörgler mit seinen Toren das Maul gestopft hat. Nicht auszudenken, wenn wir mal wieder gegen den Abstieg spielen. Also letzte Saison stand der Meckersack oft davor, gelyncht zu werden. Diese Saison scheint er ja mit dem Leben davon zu kommen.