Sonntag, 20. November 2011

Bremen

Gestern fuhr ich mit meinem Sohn (dem Einen, nicht dem Anderen) nach Mönchengladbach zum Spiel gegen Bremen. Als ich meinen Sohn so neben mir sitzen sah, erinnerte ich mich mit ihm an sein erstes Auswärtsspiel. Das war am 14.12.2002 in Bremen. Er war noch klein und pupsig und heute trinkt er schon Bier mit mir. Es war rattenkalt und in Bremen haben wir erstmal Kaffee und Kakao getrunken. Im Stadion war es noch kälter und mein Sohn lief die Stufen der Tribüne auf und ab um sich aufzuwärmen.  Der Platz war weiß gefroren und es liefen so viele Männer in Strumpfhosen rum, dass man sich in einem Robin Hood Film wähnte. Wir verloren 0:2 und als wir das Stadion verließen, stand dort die Polizei in hellgrauen Overalls. Das sah richtig schäbig aus. Wie Strauchdiebe. Mein Sohn fand, dass sie wie die Ghostbusters aussähen. Mir war es gleich. Ich taute erst auf, als ich endlich im warmen ICE Richtung Heimat saß. Und gestern saßen wir also im Regionalexpress nach Mönchengladbach und ich las das Buch Winter in Maine von Gerard Donovan. Wer Kälte, also richtige Kälte die im Menschen wohnt, spüren will, sollte dies Buch lesen. Jedes weitere Wort würde zu viel verraten, da das Buch recht kurz ist und leider zu schnell durchgelesen.


In Düsseldorf kreuzten massig Bremer unseren Weg. Bunt gemischt ging es im überfüllten Zug weiter. An den Vereinsfarben konnte man die Fans beider Lager schlecht unterscheiden. Da war es schon einfacher auf den Dialekt zu achten. Am nächsten Tag hatte ich einen Urlaubsflug vor mir. Da habe ich die Fußballfahrt zum Anlass genommen, schon mal meine Flugangst zu bekämpfen.   Das hatte zur Folge, dass ich im Stadion öfter als üblich aufs Klo musste. Aber ich habe trotzdem kein Tor verpasst und ich habe das Spiel mit meinem Sohn genossen. Es war einfach nur geil und die Stimmung war natürlich auch dementsprechend. Wann hat man das letzte Mal erlebt, dass die Welle mehrmals hintereinander durchs Stadion in Mönchengladbach schwappte?  Es bleibt weiterhin eine Saison zum genießen. Fünf zu Null gegen Bremen. Für die Rückfahrt habe ich mir noch ein paar Hülsen geholt. Je länger das Spiel vorbei war, desto stärker wurde die Flugangst.

Im Zug lief ein kleiner, süßer Junge, zirka 5 Jahre alt mit einer Digitalkamera rum und strahlte die Fans mit den Worten „Bitte lächeln“ an und machte dabei jeweils einen Schnappschuss. Die dabei entstanden Fotos hätte ich gerne auf einer Seite gesehen. Glückliche Menschen. Siegestrunken.