Montag, 28. November 2011

Ob Nikosia oder Reykjavik.......

….der Pöbel, der fährt überall mit.
Wir fahr’n nach Moskau,
wir fahr’n nach Rom,
wir schlagen auch die Fans vom Kölner Dom….

Als ich mit meiner Frau den Novemberurlaub in Reykjavik geplant hatte, stand noch gar nicht fest, zu welchem Termin das Derby gegen Köln stattfinden sollte. Irgendwann wurde dann der Sonntag (unser Rückreisetermin) als Spieltermin genannt. „Ist doch kein Problem“, sagte meine Frau, „auf dem Weg von Frankfurt nach Hause steigst du dann einfach in Köln aus.“ Da wurde dann ja leider nichts daraus, weil das Spiel dann auf den Freitag vorverlegt wurde. So musste ich dann ermitteln, wo in Reykjavik das Spiel eventuell übertragen wird. In einem Land, in dem die erste Fußballliga nur von Mai bis Anfang Oktober geht. Einem Land wo es die hübschesten Frauen (sage ich) und die hübschesten Männer (sagt meine Frau) gibt. Da wo 80er-Jahre Bundeswehrparkas in Second-Hand-Läden fast 100 Euro kosten und momentan der absolute Modeknüller zu sein scheinen. Dort, wo man bei Schnee und Eis in Freibad geht und dabei wunderschön entspannen kann. Da, wo der Schinken  „Ali“ heißt und man offensichtlich keine Energieprobleme kennt. Denn überall wird wie dolle geheizt aber es steht fast immer die Tür offen. So auch an diesem Abend im Bjarni Fel einer Sportsbar mitten in Reykjavik, benannt nach Bjarni Felixson, einem Spieler von KR Reykjavik, der in den 60er-Jahren 6 Länderspiele für Island gemacht hat. Es lieft American Football, Liverpool TV, irgendwelche Fußballspiele, die ich nicht zuordnen konnte und auch offensichtlich German Bundesliga. Zwar ohne Ton aber immerhin, bewegte Bilder. Der Mensch freut sich.
Der Laden war gut besucht und die Leute beschäftigten sich mit ihren Büchern, glotzten auf die Bildschirme (dies hatte ich ja auch vor) und bezahlten sämtliche Getränke mit Kreditkarte. Ein Halbliterglas Viking-Bier kostete ungefähr 5,53 € und man bekam es als Jólabjór (Weihnachtsbier) vom Fass ausgeschenkt. Schon vor dem Spiel blieb an und zu das Übertragungsbild „stehen“.  Dünne Leitung, Sky-Gebühr nicht bezahlt, illegale Übertragung aus dem Internet? Keine Ahnung. Aber das „Stehenbleiben“ dauerte immer höchstens 10 Sekunden. Das kann natürlich nerven. In der Kneipe interessierte sich für das Spiel der Borussia außer mir niemand. Im Hintergrund knödelte Bruce Springsteen und eine besoffene Amerikanerin versuchte der Bedienung zu erklären, dass sie als Reiseführerin in Island arbeiten will. Das Spiel lief und Köln versuchte Druck aufzubauen. Das gelang nicht und die Borussia musste sich anfangs auch erst noch finden. Pearl Jam (die habe ich ja Ewigkeiten nicht mehr gehört) schlugen härtere Töne an und die Kölner erwartungsgemäß dem Reus ständig auf die Knochen. Der humpelte fast nur noch, hätte eigentlich raus gemusst. Und Hanke machte dann das Tor.
Mein Jubel wurde von den anderen Gästen lächelnd zur Kenntnis genommen. „When the weels come down“ lief im Hintergrund und nun verfolgte auch ein Negersmann mit Milchshake das Derby. Die Kölner treten wie die Doofen und vergessen das Fußballspielen. In Island scheint man einen Narren an dem Lied „Black Hole Sun“ gefressen zu haben. Arango machte ein Freistoßtor und wieder stand das Bild. „Under the Bridge“ lief. Nur für die Kölner. Ter Stegen hielt einen Schuss von Podolski. Mehr hatten die nicht zu bieten. Der Negersmann verschüttete seien Shake und lief mit dem Wischmob vor dem Bild herum. Dazu lief „Sweet Child Of Mine“. „Smells Like Teen Spirit“ hätte besser gepasst. Endlich kassieren die Kölner mal eine Karte. In der Halbzeit wurde Novakovic interviewt. Ich hörte zwar nicht, was er sagte aber das Gesicht sprach Bände. Die zweite Halbzeit begann. Noch 4 Tore zu meinem Tippergebnis. Naja, war wohl etwas vermessen ein 6:0 für die Borussia zu tippen. Schnell noch ein Bier geholt. Draußen bevölkerten immer mehr Menschen die Strassen, um dem Nachtleben entgegenzustreben. Köln kam mit Schwung aus der Kabine und Gladbach entschied das Spiel, 3:0. Unglaublich. Während ich jubelte, kaute der Negersmann ungerührt auf seinem Strohhalm herum. Sein Drink war ja nun weg. Die Kölner Abwehr schwamm in Müngersdorf und Jimi Hendrix klampfte dazu den Soundtrack. Tom Bayer wurde als Kommentator angezeigt. So eine Übertragung ohne Ton kann Gold wert sein. Während mal wieder Bruce Springsteen zum Zuge kam, spuckte der Negersmann die passenden Vokale dazu in seinen Strohhalm. Köln strahlte keine Gefahr aus. Und wieder stockte das Bild. Nach einer Stunde Spielzeit hatte man nicht die geringste Befürchtung, dass die Kölner noch was reißen könnten. Viel zu harmlos und hilflos wirkten sie. „Groundcontrol To Major Tom“, säuselte David Bowie. Verlassen im All. So standt Stale Solbakken an der Linie.

Das Jólabjór schmeckte gut und ich prostete den schunkelnden Gladbachern, die für ein paar Sekunden eingeblendet wurden, zu. Lou Reed spielte den „Tuntensong“. Cooles timing. Wie gerne wäre ich da in Köln gewesen. Ich hätte mich daran erfreuen können, wie Huschke die Kölner wohl mal wieder mit seinem haarigen Gesäß grüßte. Die Kölner verließen fluchtartig das Stadion. Enttäuschte Gesichter von Köln-Fans wurden eingeblendet. „Stairway To Heaven“ lief dazu.  Ich trank noch ein paar Bier und genoss den Moment, während draußen der Schneeschauer in einen Hagelschauer und dann wieder in einen Schneeschauer, usw überging….