Sonntag, 4. Dezember 2011

Graupensuppe

Am Samstag vor dem Heimspiel gegen Dortmund war ich zwar früh auf, habe mir aber trotzdem das Frühstück gespart. Da wir (ich und mein Sohn) aufgrund der zu erwartenden Gästeschar, die den gleichen Reiseweg wie wir hatten, zeitig abfahren wollten, haben wir einfach ein verfrühtes Mittagessen eingenommen. Dazu habe ich tags zuvor eine Graupensuppe gekocht.

Genau das Richtige bei solch einem useligen Herbstwetter. Im Buchladen des Oberhausener Hauptbahnhofs versuchte ich vergeblich eine Reiselektüre zu erwerben. Es gab aber nur die üblichen Bekenntnisse von Prominenten. Nach dem Motto: Wie ich den Dünnpfiff besiegte – Es hätte auch Blutkrebs sein können. Den nächsten Versuch startete ich im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Ist dort die gleiche Firma aber der Laden ist wesentlich größer und so hegte ich Hoffnung. Dort gab es dann auch die wirklich lustigen Beschreibungen aus der Fremde: Allein unter Engländern / Türken / Frauen oder wo auch immer. Wenn irgendwer ein erfolgreiches Buch geschrieben hat, dann gibt es auch ne Menge Trittbrettfahrer. Das gilt für Vampirromane und auch für Serienmörderschlitzerromane. Die letzteren scheinen in letzter Zeit nicht ohne Gewaltanwendung an Kindern auskommen zu können. Fast so überflüssig wie Roche, Kuttner, Jaud und der König der Klugscheißer Hirschhausen. Kurzum: ich konnte mich nicht entscheiden und das war auch gut so. An gemütliche Lesestunden war eh nicht zu denken. Die Züge waren dermaßen überfüllt, dass wir froh sein durften stehen zu können. Durchsage zwischen Düsseldorf und Neuss: „Dortmunder Fußballfans bitte in Rheydt Hbf aussteigen. Alle anderen dürfen aussteigen, wo sie wollen.“ Dies führte zu Gelächter bei Borussen, Dortmundern und der Polizei. Diese Durchsage wurde von einer weiblichen Stimme kundgetan. Die nächste kam von einer männlichen und befahl den Dortmundern in einem osteuropäisch geprägten Tonfall „in der Rheydt“ auszusteigen. Wiederum Gelächter bei allen Beteiligten. Nachdem wir uns im Irish-Pub mit einem  Kilkenny gestärkt hatten, lauschten wir im Shuttle-Bus den Ausführungen eines Borussen an seinen Freund: „In der Rückrunde, da machen wir noch mal sone lange Auswärtstour. Wolfsburg oder Bremen. Aber ohne Weiber. Das war ja Scheiße in Berlin, mit den Weibern. Also die Christa kann mit. Die war OK. Aber Andrea und Claudia? Ne, nie wieder. Also ohne Weiber.“ Nachdem wir dann am Stadion angelangt sind, durften wir auf dem Klo noch erfahren, dass Fußball ja ein Mannschaftssport ist und es ohne Reus gehen müsse. Tja, und an dieser Stelle kommt dann ja auch üblicherweise die Spielanalyse. Die kann man wie immer beim Kicker, der Reviersport und bei anderen Fachleuten nachlesen. Ich kann nur sagen, dass ich ein geiles und spannendes Spiel gesehen habe und ich froh und stolz bin, dass ich noch mal miterleben darf, dass wir maßgeblich daran beteiligt sind, dass es in der Bundesliga wirklich gute Spiele gibt. Ein echtes Spitzenspiel halt. Selbst die Dortmunder, die um uns herum im Zug auf der Rückreise waren, lobten unser Spiel und waren damit einverstanden, dass das Unentschieden gerecht war. Bei den Gladbachern, die uns im Bus zum Bahnhof begleiteten herrschte die Meinung vor, dass wir wohl mit Reus gewonnen hätten. Ob das die gleichen Leute waren, denen wir auf dem Stadionklo lauschten?  Uns freute jedenfalls die Bescheidenheit der Dortmunder im Zug und ich erinnerte mich gerne an die letzten zwei Gastspiele bei uns. Da war die Heimreise auch eine reine Wonne. Auf die Frage eine Borussen an die Dortmunder, warum sie denn scheinbar eine Fanfreundschaft mit den Kölner hätten, bekam dieser zur Antwort: „Weil sie die Schalker mit Scheiße und Pisse beworfen haben.“ Welch entwaffnende Logik. Einige Borussen versuchten noch riesengroße Pizzakartons im überfüllten Zug herumzureichen. Nicht nur einmal purzelten die Kartons und auch die Pizzastücke auf den Boden. Aber wie das halt so ist, wenn man hackedudeldicht ist: es schmeckt trotzdem. Wir hingegen schauten uns zufrieden an und freuten uns auf den Rest Graupensuppe, der zu Hause auf uns wartete.