Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München. Nie ist der Jubel größer gewesen als bei einem Tor oder einem Sieg gegen die Bayern. Zu Bökelbergzeiten entlud sich der Jubel in einer gigantischen Druckwelle, die noch bis Dartsport-Kamper auf der Waldhausener Strasse zu vernehmen war. Daher hat man das neue Stadion wohl so weit draußen gebaut. Während ich also mit meinem Sohn voller Vorfreude mit dem Regionalexpress nach Mönchengladbach tuckerte, vertiefte ich mich in das Buch „Warum du mich verlassen hast“ von Paul Ingendaay. Paul Ingendaay schreibt in diesem Buch über seine Jugend in einem kirchlichen Internat. Das liest man gerne, da er authentisch in der Sprache des Ich-Erzählers Marko schreibt. Man sieht Marko förmlich in kurzen Hosen über niederrheinische Feldwege heimlich zu seinem ersten Kuss radeln. Und wenn er dann beschreibt, wie der selbsternannte Nihilist am Ende zum traurigen Helden wird, dann möchte man ihn (nicht den Autor) am liebsten in den Arm nehmen. Besten Dank, Herr Ingendaay. Ihr neues Buch, in dem Markos Geschichte weitererzählt wird, kaufe ich mir dann wenn es als Taschenbuch erscheint.
In Mönchengladbach angelangt, wollte ich meinem Sohn die Humboldtschänke, welche ja auch ein geschichtsträchtiger Ort für viele Borussenfans ist, zeigen. Diese war aber leider überfüllt und somit gingen wir einfach ein Stück weiter und landeten in einer Kneipe ohne Namen, mit betrunkenen Rentnern und scheußlicher Schlagermusik. Nach zwei hastig getrunkenen Hannen verkrümelten wir uns mit dem Bus Richtung Stadion. Im Bus saß ein Mann mit seinem Nachwuchs. Ein Junge, so ca. 10 Jahre alt, und ein Mädchen bestimmt drei Jahre älter saßen links und rechts vom ihm. Der Junge bezichtigte seine Schwester (Die Mama hat gesagt, wenn man ein Feuerzeug hat, dann raucht man auch) des illegalen Nikotingenusses. Darauf versuchte das Mädchen den Jungen begleitet von wilden Flüchen (Arschloch, Petze) an die Gurgel zu gehen. Dies wäre ihr auch gelungen, wenn der Herr Vater (Wir sind doch zum Fußball um zusammen Spaß zu haben) nicht dazwischen gesessen hätte. Der Junge fühlte sich von seiner Schwester beleidigt und bedroht (Papa, die hat Arschloch zu mir gesagt) und wurde vom Vater (Da muss die selber mit klarkommen. Rauchen kostet viel Geld, man wächst nicht mehr und stirbt auch noch früher) getröstet. Daraufhin wäre es der Tochter (Ich krieg dich, du Sau) fast gelungen, die Hände um den Hals des Bruders zu legen. Während des folgenden Handgemenges trudelte der Bus am Stadion ein und ich stellte mir vor, wie der Familienvater im Stadion erstmal zwei Pils zur Beruhigung trinken musste. Also so ganz gewaltfrei sind diese modernen Familienfußballevents immer noch nicht. Im Stadion waren für die meisten Stadionbesucher Sportschaufähnchen in den Farben der Borussia ausgelegt. Das sah recht nett aus, als die alle geschwenkt wurden. Natürlich macht das die ARD auch, damit das hübsch aussieht, wenn man denn mal ein komplettes Spiel live übertragen darf. Dass man sich aber derart darüber mokieren muss, wie es die Ultras getan haben und deswegen eine geplante Choreografie abblasen, halte ich für übertrieben. Die geplatzte Choreografie wäre sicherlich das Sahnehäubchen gewesen.
Das Spiel begann und die Hoffnung der Bayern, dass unsere Truppe vielleicht nach der Winterpause noch nicht ihren Rhythmus gefunden haben könnte, zerschlug sich schnell. Unsere Mannschaft machte genauso weiter, wie in der Hinrunde. Sie stand hinten stabil und konterte blitzschnell und eiskalt. Natürlich begünstigt vom Fauxpas des Torwächters Neuer aber ich bin felsenfest überzeugt, dass wir auch ohne diese Vorlage gewonnen hätten. Wir waren einfach besser. Hübsch war auch der höhnische Beifall und die Spottgesänge (Ihr habt Neuer, wir die Nr. 1) der jedes Mal aufbrandete, wenn Manuel Neuer in der Folge seines Missgeschickes des Balles habhaft wurde. Jaja, wer den Schaden hat…… Aber solche Geschichten versüßen den köstlichen Sieg gegen die Bayern zusätzlich. Und wenn der Herr Schweinsteiger nach dem Spiel auch noch vom schlechten Platz, was ja wohl mehr ein Nachteil für unsere spielstarke Borussia ist, faselt, dann ist das Bild vom schlechten Verlierer in den hübschesten Farben ausgemalt. Siegestrunken fuhren wir Richtung Heimat. Am Hauptbahnhof gibt es jetzt auch eine Yorma’s-Filliale. Und dort gibt es Bolten-Alt zu kaufen. Zwar kein Bolten Ur-Alt aber immerhin. Mit dem Anlass entsprechender Wegzehrung bestiegen wir also den Regionalexpress und waren bald nicht mehr nur siegestrunken.

