Dienstag, 31. Januar 2012

Entgiftung


Verbotene Dinge

Während die Borussia am Sonntag in Stuttgart den Spieltagsabschluss bildete, hütete ich daheim den Herd, verfolgte das Spiel und wartete mit dem Essen auf meine beiden jüngsten Söhne, die ja nicht nur Brüder, sondern auch Zwillinge sind. Vor dem Spiel wäre ich sicherlich mit einem Remis zufrieden gewesen, zumal wir ewig lange nichts mehr in Stuttgart geholt haben. So pendelte ich zwischen Wohnzimmer und Küche hin und her, verfolgte das Spiel und diverse Garungsprozesse. Nebenbei schaute ich noch in die Lindenstrasse rein aber dafür reichte meine Konzentration nicht mehr. Ich werde mir die Folge wohl unter Woche noch mal als Videostream anschauen müssen. Lange bevor die Zwillinge eintrudelten fiel der Führungstreffer für die Borussia.  Sofort machte sich ein beruhigendes Gefühl breit. Denn wer in dieser Saison gegen uns in Rückstand gerät, ist geliefert. Zur Halbzeit setzte ich mich in die Küche und dachte darüber nach, was mich in der folgende Woche erwarten sollte. Eine Entgiftung. Angeleiert hat das meine Frau und die ganze Sache hat sie schon mal durchgezogen für ne Woche. Danach fühlte sie sich fit und gesund. Also wollte ich diesmal mitmachen und soooo schwer hörte sich der Aufgabenkatalog auch nicht an:

1. nicht rauchen – is ja nun mal gar kein Problem.

2. überwiegend Obst + Gemüse essen – eieiei, das ist ganz schön viel verlangt, aber machbar.

3. kein Zucker – egal, hab ich noch nie gebraucht.

4. kein Alkohol – mmh, eigentlich kein Problem, bis auf den Stammtisch am Dienstag.

5. 4 Stunden Sport in der Woche – 1,5 tuns auch, man soll nichts übertreiben.

6. viel trinken, vor allem Tee – geht, obwohl der Verzicht auf Kaffee schwer fällt.

7. ausreichend schlafen – ohne Alkohol? scheint aber auch zu klappen.

8. nichts Gebackenes, Paniertes oder Frittiertes essen – wie gesagt, Ost und Gemüse.

9. keine Fertiggerichte oder Junkfood -  auch keine Problem, hab ich eh nur im Suff gegessen.

10. positiv denken – tja, und dieser Punkt ist dann der Hammer.

Wie soll man positiv denken, wenn einem alle Freuden genommen werden? Vielleicht sollte ich es wie die Spieler der Borussia machen. Nicht denken und einfach das machen was der Trainer sagt. Klappt ja momentan auch vorzüglich. Mein Trainer wäre dann also meine Frau. Also beschloss ich für mich, dass das was meine Frau sagt richtig ist und ich mich am Ende, wenn ich alles so mache wie mir gesagt, wohl, gesund und entgiftet fühle. Und während ich also am Sonntagabend das Spiel weiterverfolgte und in eine ungewisse Zukunft blickte, trudelten die letzten Essensgäste des Tages ein und wurden natürlich prompt von mir in der Küche bedient. „Immer noch einszunull für uns“, konnte ich vermelden. Ich begab mich in die Stube und während die Jungs genüsslich ihr Mahl einnahmen schoss die Borussia zwei weitere Tore. So endete der Sonntag in einem Torjubel, der unsere türkischen Nachbarn wieder den Kopf schütteln ließ.

Rückblickend kann ich nach zwei Tagen sagen: bislang war es nicht schwer die 10 Punkte aus meinem Aufgabenkatalog einzuhalten. Gestern im Supermarkt aber tropfte mir schon beim Anblick von Fertigfrikadellen (eigentlich eklig) der Zahn. Das ist gefährlich. Noch gefährlicher wird’s heute Abend beim Dienstagsstammtisch. Kein Bier, nur Wasser oder Tee. Da kommt zum Verlangen noch der Spott der Kollegen. Aber es hat niemand behauptet, dass es einfach wird. Auch nicht die Trainerin. Also werde ich stark bleiben und am Ende wie Phoenix aus der Asche steigen. Mit reiner Haut, schlank und mit einer Ausstrahlung, die nur jemand haben kann, dessen gesunder Körper eine gesunde Seele beherbergt. So wie derzeit die Borussia. Und da hört man ja auch auf den Trainer, der mit seinem Erfolg bei anderen Vereinen Aufmerksamkeit erregt.  Aber ich werde niemanden von meiner Trainerin erzählen, sonst schnappt man mir sie noch weg.