Sonntag, 5. Februar 2012

Die Brücke am Fluss

Am Samstag spielte unsere Borussia in Wolfsburg. Dort sieht man nur Hässlichkeiten soweit das Auge reicht. Für den Nachbau der Stadt bekommt man noch nicht mal bei Märklin Bausätze, die die lustlos dahin geschissene City auch nur annährend darstellen könnten. Wolfsburg ist wohl nur für Autofreaks eine Reise wert. Aber mal ehrlich: wäre ich Autoenthusiast, dann würde ich sicherlich nicht im „Kraft durch Freude Club“. Naja, immerhin hat Wolfsburg einen Fußballverein in der ersten Liga. Naja, dieser Verein ist ungefähr so beliebt wie ein Zugereister im Schützenzelt. Also wäre der einzige Grund nach Wolfsburg zu fahren, dass unsere Borussia dort spielte. Aber trotzdem blieb ich am Wochenende abermals daheim. Schließlich hatte ich noch zwei Tage bis zum Ende meines Entgiftungsschwures (siehe Blogeintrag: „Entgiftung“) zu bewältigen. Da wäre eine Fußballtour mit all seinen Verführungen (Bier, Bratwurst usw.) für meinen schwachen Geist zu viel der Verführung gewesen.

 So machte ich also am Samstag mit meiner Frau einen Ausflug zur Müngstener Brücke. Dies ist immerhin die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Es war klar und sonnig und die frische, eiskalte Luft durchströmte meinen Körper, als wir in Solingen-Schaberg ausstiegen und uns auf den Weg zum unterhalb der Brücke gelegenen Brückenpark machten. Dieser ist wirklich sehr hübsch gestaltet und hat auch diverse Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder parat. Diese können bei etwas wärmeren Wetter natürlich auch in der Wupper rumplantschen. Es gibt auch ein sehr schönes Speiselokal und bei meinem bangen Blick auf die Speisekarte stellte ich fest, dass es auch Gerichte gab, die in unseren Entgiftungsplan passten. Ich hatte die vegetarischen Maultaschen auf mediterranem Gemüse. Wird nicht mein Lieblingsessen aber es war sehr lecker und der Preis war angemessen. Während des Essens hatte man einen romantischen Blick auf die Brücke und die darunter herplätschernde Wupper. Auf dem Rückweg zum Bahnhof mussten wir natürlich ein wenig klettern aber der Weg war nicht allzu weit und der Waldboden verströmte einen Duft von Waldmeister.
Rein in den Zug und dann ab nach Hause. Pünktlich um halb vier klappte ich das Laptop auf und fing sofort an einen Livestream zu suchen. Ich hätte natürlich auch in eine Kneipe gehen können aber der Spott vom Dienstagstammtisch klang mir noch in den Ohren. Es ist doch immer noch recht ungewöhnlich einen Kneipenabend mit Teekampftrinken bestreiten zu wollen. Einer von diesen Livestreams funktionierte, wenn auch nur sehr ruckelig und ich klickte zwischen  Livestream, Liveticker von Borussia und der Kicker Homepage hin und her. Dies ist auch nicht so das wahre Fußballvergnügen und über den wirklichen Spielverlauf kann man so auch nichts sagen. Das was ich verlässlich wusste, ist dass wir ein reguläres Tor aberkannt bekommen haben, Reus eine hundertprozentige Chance versemmelt hat und dass die Wolfsburger in der zweiten Halbzeit ganz schön Druck gemacht haben. So gesehen bzw. kaum gesehen scheint das torlose Unentschieden in Ordnung zu gehen. Aber eines kann ich versprechen: beim nächsten Match ist wieder Bier im Spiel und meine Urteilsfähigkeit wird wieder ungetrübt sein.