Am Samstag war es kalt. Arschkalt. Meinen Sohn habe ich deshalb mehrfach ermahnt, eine dicke Jacke, dicke Socken und eine wärmende Unterhose anzuziehen. Das mit der langen Unterhose wurde dann wieder mal „vergessen“. Selber schuld. Ansonsten wird einem derzeit schon wohlig warm beim Gedanken an ein Heimspiel unserer Borussia. So bestiegen wir in Duisburg den Regionalexpress nach Mönchengladbach und setzten uns gleich in die erste Klasse, damit wir uns nicht mit den Schalkern um die Sitzplätze rangeln mussten. Der Zug war natürlich gerappelt voll und das Abteil gnadenlos überheizt. Naja, es könnte schlimmer kommen und es kam schlimmer. Ein blondes Schalker Dummchen stellte sich in die Tür zu unserem Abteil und quäkte mit ihrer Ätzstimme ihren geistigen Abfall auf einer Frequenz, die direkt als Stich ins Gehirn wahrgenommen wird. Die anderen Schalker ertrugen dies debil vor sich hinlachend. Dadurch fühlte sich die blonde Nervensäge in ihrem Tun bestätigt und gab, an einer Cola-Zero nuckelnd, keine Ruhe. Zero Zucker – Null Gehirn. Der Gipfel der Blödheit wurde von ihr erklommen, als in Krefeld ein Rollstuhlfahrer in den Zug wollte und die Aufforderung man möge doch bitteschön auch in die 1. Klasse durchrücken von ihr mit einem hysterischen und schrillen „Da geh ich nicht rein, da sind Gladbacher drin“ beantwortet wurde. “Patsch“ machte es zwar nicht in ihrem Gesicht, sondern leider nur weil sich mehrere Leute verzweifelt die Hand vor die Stirn schlugen.
Da mein Sohn vor der Abfahrt noch beim Chinesen Flatratefressen mit seinen Kumpels gemacht hat, verzichtete er diesmal auf die Bratwurst. Ich hingegen holte mir ein Fischbrötchen. Ich hätte es mit Handschuhen essen sollen. Die Hand und der Matjes fühlten sich wie Eiszapfen an. Direkt danach holte ich mir einen Kaffee und wir stellten uns erwartungsfroh in die Kurve. Dort wurde vor dem Spiel, wie jedes Jahr zu dieser unseligen Zeit, das Karnevalsprinzenpaar der Stadt Mönchengladbach begrüßt. Unpassenderweise in blau-weiß gekleidet, stimmten diese das Lied vom Trömmelchen an. Begeistert grölte das Stadion die umgedichtete Zeile über den Kölner Abstieg („Kölle steigt ab, steigt ab….“) mit und das Prinzenpaar verschwand wieder für ein Jahr in den Katakomben. Auch in blau aber wesentlich sehenswerter war die Choreographie von Blog 1900. Unter dem Motto „Ob auf Bali, auf Hawaii – wir sind immer mit dabei“ wurden auf wogenden Wellen Urlaubsmotive und ein Polizeiboot, welches von einem Fanboot überholt wird, dargestellt. Sehr schöne Bilder dazu findet man auf www.nordkurvenfotos.de.
Dann ging das Spiel los. Und wie es los ging. Marco Reus hielt Wort und gab weiterhin alles für die einzige Borussia. 1:0 durch eine sehenswerte Einzelleistung. Dann das 2:0 durch eine sehenswerte Kombination in der Mike Hanke einen doppelten Doppelpass eiskalt abschließt. Ungläubiges Staunen und grenzenloser Jubel in der Kurve. Als Sahnhäubchen semmelte Juan Arango den Schalkern einen Freistoß zum 3:0 unter die Latte und da war erst eine halbe Stunde vergangen. Dass die Borussia es dabei bewenden ließ und den Rest des Spiels im Schongang abspulte, war ein reiner Akt der Gnade gegenüber völlig überforderten Schalkern. In der zweiten Halbzeit wurde Igor de Camargo eingewechselt und von den Fans mit Sprechchören und Plakaten unterstützt. Dies durfte man nach seiner dämlichen Aktion im Pokalviertelfinale gegen Berlin eigentlich nicht erwarten. Ich denke aber die Botschaft sollte lauten: „So, du Eselskind, hier haste was in den Nacken für den Scheiß den du in Berlin gebaut hast. Da du aber einer von uns bist, lieben wir dich weiterhin.“
Die Heimfahrt fand natürlich wieder im überfüllten Regionalexpress statt. Bei den blau-weiß gekleideten war Ruhe im Schacht. Daran könnte man sich gewöhnen. Dafür waren einige Gladbacher übermütig und stänkerten und provozierten etwas mehr als es nötig war. Trottel gibt’s halt überall.
Pünktlich zum Aktuellen Sportstudio erreichten wir die heimische Wohnung, bekamen die Hand an die Fernbedienung und rissen meine Frau mit dem abrupten Programmwechsel aus dem Couchschlaf. So konnten wir alle Tore noch einmal genießen. Bevor dann Arango zum Freistoß anlief, sagte ich zu meiner Frau: „Und jetzt pass mal auf, was da passiert.“ Meine Frau passte tatsächlich auf und staunte nicht schlecht. Das muss erstmal einer schaffen. Sie ging dann ins Bett und ließ uns mit der Auslosung zum DFB-Pokal alleine. Diese bekam ich gerade noch so mit und verfiel dann selber in den allerschönsten, warmen Couchschlaf.